Projekt VOF

Ein Projekt mit dem Ziel der Verbesserung der Qualität von VOF-Verfahren

zum Fragebogen

Anlass:

Die Durchführung der Verfahren zur Vergabe von Architekten – und Ingenieurleistungen nach VOF erfolgt in sehr unterschiedlicher und leider in ganz vielen Fällen sehr schlechter Qualität. Die VOF gibt es nunmehr schon seit 1997 – derzeit in der Fassung 2009 -, leider hat sich aber ein gehobener Qualitätsstandard – von positiven Ausnahmen abgesehen – nicht in dem erforderlichen Maße durchgesetzt.

Im Gegenteil: Viele Missstände haben sich mittlerweile als scheinbar normal und VOF-konform eingebürgert und werden akzeptiert und damit auch weiterhin praktiziert.

Dies hat mehrere Gründe, u.a.:

1.)
Viele Bewerber/Bieter erkennen zwar Vergabefehler, erheben aber keine Rügen und scheuen den Weg zu den Vergabekammern (Kosten, auch bei Erfolg kein Auftrag sicher…). Dadurch können die Vergabekammern und Vergabesenate – nicht wie bei der Verletzung von Rechtsvorschriften sonst die Gerichte – durch entsprechende korrigierende Entscheidungen zur Qualitätsverbesserung und Einhaltung der Rechtsvorschriften beitragen.

2.)
Viele Bewerber/Bieter erkennen eindeutige Vergabeverfahrensfehler nicht als solche, so dass auch aus diesen Gründen Rügen und Nachprüfungsverfahren unterbleiben.

Es gibt Fehlentwicklungen bei Vergabeverfahren, die nahezu gängig sind, so dass die Fehler als solche nicht mehr erkannt werden. Ein Beispiel sei genannt: § 20 Abs. 3 VOF schreibt vor, dass die Vergabestellen, wenn sie in Verhandlungsverfahren Lösungsvorschläge verlangen, diese auch nach HOAI zu vergüten haben. Wie oft wird hiergegen verstoßen!

3.)
Häufig scheitert der Erfolg von Vergaberügen und Nachprüfungsverfahren an formellen Fehlern (keine unverzügliche Rüge oder Nichteinhaltung der 15-Tage-Frist des § 107 Abs. 3 Ziff. 4 GWB).

4.)
Viele Auftraggeber sind mit der Durchführung solcher Verfahren überfordert, sofern sie nicht professionelle Unterstützung einholen. Die richtige Handhabung der Verfahren ist auch nicht einfach, da es auch aus europarechtlicher Sicht Anforderungen an die richtige und transparente Durchführung von VOF-Verfahren gibt, die sich aus der Lektüre des Verordnungstextes der VOF nicht erschließen.

 

Ziel:

Mit dem “Projekt VOF” verfolgen wir das Ziel:

  • Missstände abzustellen und
  • die Qualität der Verfahren zu verbessern


Vorgehensweise:

1.) Datenerhebung

Im 1. Schritt erfolgt eine umfangreiche Datenerhebung bei Architekten und Ingenieuren. Wir wollen wissen, welche Fehler die Architekten und Ingenieure als solche wahrnehmen, welches Ausmaß diese Fehler haben, wie sich das Erkennen von Fehlern auf das Verhalten der Architekten und Ingenieure auswirkt.

Die Erhebung ist anonym und erfolgt online über einen Fragebogen.

Zur Teilnahme berechtigt sind Architekten und Ingenieure.

Der Erfolg des Projekts hängt davon ab, dass möglichst viele Berufsträger teilnehmen.

Zum Fragebogen gelangen Sie hier.

Es erfolgt nach Auswertung der Fragebögen noch eine Datenerhebung bei Auftraggebern.


2.) Veröffentlichung der Ergebnisse und Diskussion

Nach Auswertung der Fragebögen werden die Ergebnisse veröffentlicht und zur Diskussion gestellt.

Nur wenn Missstände und Fehlentwicklungen bekannt gemacht und öffentlich diskutiert werden, werden diese auch Auftraggebern und Auftragnehmern bewusst. Dadurch wird das Qualitätsbewusstsein bei Auftraggebern zunehmen und auch die Erkenntnis und Bereitschaft bei Auftragnehmern, erkannte Fehler zu rügen und die Vergabekammern anzurufen.

Für Frühjahr 2015 ist eine öffentliche Podiumsdiskussion an der TU Dresden geplant.


3.) Erstellung von Arbeitshilfen

Wir werden nach Auswertung der Umfragen Arbeitshilfen für Auftraggeber und Auftragnehmer erstellen und die aus der Umfrage gewonnenen Erkenntnisse darin aufarbeiten.


Zeitschiene:

  • Datenerhebung (verlängert) bis 31.12.2015
  • Auswertung und Vorstellung der Ergebnisse Frühjahr 2016

Prof. Dr. Bernhard Rauch